Geschichte der Jusos

Jusoslaatzen
 

1918-1969
Die Jusos entstanden zwischen 1918 und 1920, als sich Gruppen von 20 bis 25 Jahre alten Sozialdemokraten zusammenfanden. Zahlenmäßig blieben die Jusos, die darüber hinaus auf Grund interner Auseinandersetzungen zwischen einem austromarxistisch geprägten, linken Mehrheitsflügel und der Minderheit des nach rechts tendierenden, nationalistischen Hofgeismarer Kreises zerstritten waren, eher unbedeutend und hatten zwischen 3000 und 5000 Mitgliedern. 1931 löste die SPD im Zuge eines innerparteilichen Streits die Jusos auf, ein Teil der ehemaligen Mitglieder schloss sich im Herbst des selben Jahres der neu gegründeten SAPD, ein Teil auch den Roten Kämpfern an.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden 1946 die Jungsozialisten wiedergegründet. Zunächst stellten ehemalige Frontsoldaten die Mehrheit der Mitglieder. Die Jusos waren in ihren ersten Jahren zunächst loyal der Mutterpartei gegenüber und folgten linientreu der inhaltlichen Ausrichtung der SPD. Die Jusovorsitzenden wurden zunächst (als „Zentralsekretäre der Jusos“) vom Parteivorstand eingesetzt. 1959 wurde mit Hans-Jürgen Wischnewski erstmals ein Juso-Vorsitzender von den Jusos selbst gewählt.

Linkswende im Jahr 1969
Im Jahr 1969 vollzog sich die Linkswende der Jusos. Sie beschlossen auf ihrem Bundeskongress in München die Wende von einer als brav und angepasst geltenden Parteijugend hin zu einem linken politischen Verband. Die Jusos verstehen sich seitdem als „sozialistischer Richtungsverband“ innerhalb der SPD, der auf die inhaltliche Ausrichtung der Partei aktiv Einfluss nimmt.

Jedoch gibt es Landesverbände, Unterbezirke und Stadtverbände, die auf Grund ihrer politischen Haltung die Bezeichnung als Junge Sozialdemokraten bevorzugen. Die meisten Juso-Gliederungen führen aber den Namen Jungsozialistinnen und -sozialisten.

1969 bis 1989
Seit den siebziger Jahren nutzen die Jusos die traditionelle „Faust mit Rose“ der Sozialistischen Internationale als ihr Logo.

1973 gelang es den links der SPD positionierten Jusos im Rahmen der 68er-Bewegung mit 300.000 Mitgliedern ihren bisherigen Höchststand zu erreichen und viele SPD-Gremien zu „übernehmen“. Die Jusos stellten zu diesem Zeitpunkt etwa 30 % der SPD.

Inhaltlich traten die Jungsozialisten ab 1969 ein für die Demokratisierung aller Lebensbereiche, insbesondere der Wirtschaft und des Staates. Dies sollte bedeuten: die Vergesellschaftung der strukturbestimmten Bereiche der Wirtschaft (sog. Schlüsselindustrien), gesamtgesellschaftliche Planung der Investitions-, Forschungs- und Entwicklungsprioritäten bei relativer Autonomie der einzelnen Unternehmen im Rahmen dieser zentralen Rahmensetzung (sog. „zentraler Rahmenplan bei dezentraler Feinsteuerung"). Auch nahmen die Jusos immer häufiger feministische Positionen ein.

Die Jungsozialisten verfolgen die sog. Doppelstrategie. Dies bedeutet einerseits mit dem „Standbein“ in der SPD zu agieren und dort Machtpositionen zu besetzen um inhaltliche Positionen durchzusetzen und andererseits mit dem „Spielbein“ in gesellschaftlichen Bewegungen präsent zu sein und mit diesen gemeinsam Druck auf die SPD hin zu den von den Jusos auch in der Partei vertretenen Inhalten zu entfalten.

Zerfallserscheinungen folgten mit der aufkommenden Strategiedebatte und den stärker werdenden Grabenkämpfen zwischen den drei Flügeln, die alle einen antikapitalistischen Anspruch hatten. Neben der reformsozialistisch-undogmatischen Strömung („Refos“) bildeten sich zwei dezidiert marxistische Richtungen. Die „Stamokaps“ übernahmen die in der DDR entwickelte Theorie des „staatsmonopolistischen Kapitalismus“ und entwickelten auf dieser Basis eine „antimonopolistische Bündnispolitik“, die auch die Zusammenarbeit mit der DKP, nicht aber die sog. „K-Gruppen“ einschloss. Ihre regionalen Schwerpunkte waren Hamburg und Berlin.[2]. Ihre wichtigste programmatische Veröffentlichung waren die 1980 erschienenen „Herforder Thesen“[3]. Daneben gab es die eher spontaneistisch oder rätesozialistisch orientierten „Antirevisionisten“.

Der Stamokap-Flügel wurde vom Hannoveraner Kreis bundesweit koordiniert. Besonderes stark war er in Hamburg, Berlin und Ostwestfalen-Lippe.

Die „antirevisionistische“ Strömung gründete 1975 den Göttinger Kreis. Ab 1976 begann sie mit Herausgabe der Zeitschrift Sozialist. Obwohl den Stamokaplern und Refos zahlenmäßig unterlegen, gelang es dem Göttinger Kreis 1978 sein Mitglied Gerhard Schröder zum Vorsitzenden der Jusos wählen zu lassen. Allerdings wurde Schröder bald darauf wegen Zusammenarbeit mit der Refo-Strömung (anstatt wie erwartet mit den Stamokaplern) aus dem Göttinger Kreis ausgeschlossen.

Die reformistische Mehrheit gründete 1977 den Malenter Kreis, der die Zeitschrift Sozialistische Praxis herausgab.

Die theoretische Diskussion auf hohem Niveau band die praktischen Kräfte. Der Ausschluss des damaligen Vorsitzenden und Angehörigen der Stamokap-Flügels Klaus Uwe Benneter aus der SPD markiert den Höhepunkt der Auseinandersetzungen.

1989 bis 2005 - Flügelkämpfe
Aber auch nach 1989, als dem Theoriestreit zwischen den Strömungen durch die Auflösung der DDR faktisch die Grundlage entzogen war, bestimmten oftmals Flügelkämpfe zwischen verschiedenen, inzwischen häufig neu gegründeten und umbenannten Strömungen, das Verbandsleben auf Bundesebene. Aktuell kann man im Juso-Bundesverband drei Strömungen unterscheiden: Zwei Strömungen (Netzwerk Linkes Zentrum - NWLZ und die Traditionalisten - Tradis) verstehen sich als "links" und üben massive Kritik am Kurs der SPD; die dritte Strömung (Ypsilon) versteht sich als der pragmatische Teil der Jusos. 1997 gab sich der Verband ein modernisiertes Logo, das allerdings von einigen Bezirken zum Teil aus Traditionsbewusstsein, zum Teil als Ergebnis von Strömungsstreitigkeiten abgelehnt wird.

Der ehemalige Bundesvorsitzende Björn Böhning setzte den Kurs seiner Vorgänger Benjamin Mikfeld, Niels Annen und Andrea Nahles fort. Die unter Agenda 2010 firmierenden Reformen der SPD-geführten Bundesregierung werden als „neoliberal“ abgelehnt. Auf dem Juso-Bundeskongress in Leipzig (10.-12. Juni 2005) sprachen sich die Jusos für die Einführung einer Bürgerversicherung, gegen Studiengebühren, für eine flächendeckende Kinderbetreuung sowie für den Beitritt der Türkei zur EU aus. Sie sagten ausdrücklich Nein zur Aufhebung des Waffenembargos gegen die Volksrepublik China und widersprachen damit den außenpolitischen Wünschen des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder. Ebenso kritisierten die Jungsozialisten massiv die Entscheidung der Bundesregierung, die Neuwahl des Bundestages im Herbst 2005 anzusetzen. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Jusos während der Zeit der Regierung Schröder vor allem die innerparteiliche Opposition gesucht haben.

Jusos in der zweiten Großen Koalition (seit 2005)
Durch den stark polarisierenden Bundestagswahlkampf 2005 konnten die Jusos zahlreiche Neumitglieder gewinnen. Inhaltlich blieben die Jusos jedoch ihrer Linie treu, was durch das Festhalten an alten Beschlüssen, wie der Bürgerversicherung oder der Ablehnung von Senkungen der Unternehmenssteuern, Mindestlohn von 7,50 Euro/Std auf dem Bundeskongress in Saarbrücken deutlich wurde. Auch forderte der damalige Juso-Bundesvorsitzende Björn Böhning zum Beispiel den Rücktritt des Verteidigungsminsters, da er die sicherheitspolitischen Ansichten Jungs für nicht weiter hinnehmbar hielt.

Im Oktober 2007 gründete sich die von den Landesverbänden Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Hamburg, dem Bezirk Hessen-Süd sowie dem Unterbezirk Köln getragene „Pragmatische Linke“ und gab den pragmatisch denkenden Jusos eine neue Plattform. Sie bekennen sich zu sozialer Marktwirtschaft und Realpolitik und lehnen die Forderung nach einem „Systemwechsel“ mit dem Verweis auf historisch gescheiterte staatliche Alternativmodelle ab.

Im November 2007 wurde Franziska Drohsel zur Juso-Vorsitzenden gewählt. Drohsel bemüht sich, das linke und eigenständige Profil der Jusos mehr zu schärfen und veröffentlichte dazu 63 Thesen zur jungsozialistischen Politik.

Quelle (mit ausführlicheren Informationen): Wikipedia